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08.03.2019: Ivan Bessonov spielt auf seiner ersten CD Werke von Frederic Chopin und Eigenkompositionen


So klingt das Debut eines jungen Wilden!

„Ich denke, dass sich die Emotionen für die Ausführung von Chopins Werken mein ganzes Leben anhäufen werden“ definiert der einmal 15jährige russische Pianist Ivan Bessonov schon jetzt ein Langzeitprojekt für die künftige Karriere. Derart reflektiert über das Verhältnis zwischen Werk und „Interpretation“ zu reden, ist an sich schon für einen so jungen Menschen unalltäglich. Noch mehr ins Staunen versetzt Ivan Bessonovs ungestüme Abenteuerlust auf seinem CD-Debut beim ARS-Label.

Bessonov kommt aus den besten Kaderschmieden der russischen Klavierschule und hat im Jahr 2018 den Eurovision Young Musicians Wettbewerb in Edinburgh mit Bravour absolviert. Das Spiel des frischgebackenen Ersten Preisträgers wirkt beseelt von dem Wunsch, tief zu blicken. Und es wird polarisieren. Aber so soll es sein, wenn es junge Talente aus heutigem Lebensgefühl heraus mit großer Musik aufnehmen – und dies idealerweise an zukünftige Hörerschaften heran tragen!

Bessonovs Auswahl der Stücke für dieses Debut-Programm ist konsequent subjektiv: Schon die Mazurken und der Grand Valse haben es auf provokante Weise in sich. Bessonov dehnt gerne mal das Tempo des Dreiermetrums in Extreme: Manchmal stellen sich aufreibende Zeitlupen-Effekte ein, so ähnlich wie jene, mit denen ein Ivo Pogorelic früher schon mal Tumulte im Publikum auslöste. Aber es bleibt bei Bessonov nicht beim Effekt, all dies sind Mittel und Wege, um die eigene Neugier auf den emotionalen Wesenskern der Musik zu maximieren.

Gesättigt mit vollendet frühreifer Instrumentenbeherrschung bleibt Bessonov jedem Chopinschen Anspruch an klanglicher Expansion und pianistischer Ausschweifung in nichts schuldig: Das „Fantasie impromptu“ zieht unter den Händen des Teenagers mit elektrisierender Rasanz in erregende Fieberkurven hinein. Er weiß, sein Spiel als Klangraum zu begreifen, ihn zu staffeln und zu strukturieren. Das versetzt vor allem im cis-Moll-Nocturno in Traumgefilde voll emotionaler Zartheit. In der fis-Moll-Polonaise zelebriert Bessonov ohne Netz und doppelten Boden den Ausbruch ungehemmter triumphaler Wucht. Das Unberechenbare eines impulsiven jungen Forschergeists ist Programm: Was wird er im nächsten Moment aus dem Material heraus destillieren? Welche agogische oder dynamische Veränderung lauert hinter der nächsten Wendung? Bessonov liefert keinen wohlfeilen Schönklang-Chopin für den Abend bei Kerzenschein, ebenso wenig ein Abziehbild einschlägiger Referenz-Interpretationen. Im verstörend bebenden Scherzo opus 35 kann es schon Angst machen, was für dämonische Stimmungszustände dieser Teenager aus der Masse an Tönen und Akkordballungen schöpft. Der berühmte Trauermarsch nimmt verstörend schleppend Fahrt auf, wenn auch dieses Spiel nicht diese gravitätische Tiefschwärze wie bei Horowitz entfaltet. Solchen Vergleichen, die immer vermessen wirken müssen, setzt Bessonov erfrischend viel Eigenes und sehr unmitelbar aus dem Notentext ausgehörtes entgegehen. Hier besticht seine wunderbar dramaturgisch dosierte Steigerungs-Dynamik, die auch dem Letzten die Erklärung des Wortes „Crescendo“ frei Haus liefert.

Musik, welche eigene Empfindungen wiederspiegelt, ist im Idealfall eine selbst Erfundene. Beherzt nimmt Bessonov diese – in der Klassik-Zunft eher wenig verbreitete Tugend –  beim Wort. Drei Eigenkompositionen setzen selbstbewusst am Schluss dieser CD eine  persönliche Visitenkarte: „Giraffe“ und zweimal „Valse“ nennt Bessonov seine Stücke.  Die eigene kompositorische Stimme setzt dem gewichtigen Chopin-Erbe ganz viel junge Leichtigkeit entgegen, was zum Finale des Programms sehr erfrischend wirkt. Von beseelter Rhythmik und uneitler spieltechnischer Finesse getragen, tänzeln und perlen diese verspielten Miniaturen. Dass sie – im Kontrast zu den zuvor bis zum äußersten ausgereizten Chopin-Emotionen – überhaupt nicht tiefschürfend daher kommen, sollte angesichts des zarten Alters dieses jungen Hoffnungsträgers im wortwörtlichen Sinne „er-leichternd“ stimmen.

Vom Stefan Pieper (Online Merker)

CD review by Adrian Quanjer / HRAudio.net

Every now and then ‘wunderkinder’ show up with a promise to become great artists. It looks as though the Russian Pianist/composer Ivan Bessonov is one of them. By being accepted aged 10 in the class of particularly gifted children of the Moscow Central Music School, he joined a small group of piano students being groomed for a bright future. Now, at the age of 16, with the Grand Prix of the Saint Petersburg International Chopin Piano Competition and other major prizes, as well as valuable concert experience in his bag, time has come for a debut SACD dedicated to his favourite composer, Chopin.

We have here a selection from his most loved works, like the Etude Op.10 No. 12, the Fantasie-impromptu Op. posth. 66, the ‘tragic’ Polonaise Op. 44, and the second Sonata with the famous March Funèbre, no doubt all chosen for giving ample room to express a comprehensive grasp on the various moods and technical demands Chopin’s oeuvre poses to an interpreter. And the recital concludes with three of Bessonov’s own compositions, each with a clear reference to Chopin: Two Waltzes - in A minor and B minor - and a piece called ‘Giraffe’ (inspired by Chopin's upright attic piano?).

At 16 one may perhaps not expect a level of maturity commensurate with full understanding of all the emotional factors hidden in these works. I won’t argue with that, but it took Chopin a turbulent life-time to deliver his spiritual output. What I found nonetheless most remarkable, and Bessonov confirms so in a personal note, that he, like - by the way - Chopin himself, dares to approach and perform each piece in the spirit of the moment. Sometimes hesitant as to give way to his feelings; sometimes with great energy, the Moscow piano school is famous for. In doing so, he apparently aimed at putting his own stamp on these well-known pieces, rather than just copying what others do.

It is too early to predict how high his star may rise. For the moment it would seem that Bessonov has more than sufficient scope to further develop and deepen his artistry, gaining more natural fluency in his playing, without losing the importance of keeping the overall tension going, regardless of ‘the spirit of the moment’. Indeed, talent needs to be nourished and encouraged to come to full bloom. With this recording, made in situ by the Russian sound engineer, Alexey Grigorev, and released by ARS Produktion, an important step has been set.

A rewarding debut with a programme that should appeal to all Chopin lovers eager to get some new views on well-known pieces. The sound is rich, but some may find it a shade too close.

Blangy-le-Château,
Normandy, France

Copyright © 2019 Adrian Quanjer and HRAudio.net

Impressionen Europa-Tournee 2018: Russische Nationalphilharmonie unter der Leitung von Vladimir Spivakov


Foto: Sergey Grashchenkov

14.11.2018: Russische Nationalphilharmonie in Wiesbaden

Fülle und Wohllaut

 

Von Axel Zibulski

 

Dasselbe Werk, dasselbe Orchester, aber ein anderer Solist: Nach­ dem die von Wladimir Spiwakow geleitete Russische Nationalphil­ harmonie in der Alten Oper den französischen Pianisten Lucas De­bargue begleitet hatte, als er Peter Tschaikowskys Konzert für
Kla­vier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23 interpretierte, nahm gleich darauf im Kurhaus Wiesbaden der erst 16 Jahre alte

Iwan Besso­now vor dem 2003 gegründeten Orchester den Solistenplatz ein.
Während Debargue, immerhin zwölf Jahre älter als der Newcomer aus St. Petersburg, zuletzt wohl an seinen evidenten
spieltechni­schen Defiziten gearbeitet hatte, scheint der junge Zwei-Meter­ Schlaks in dieser Hinsicht schon jetzt keine Grenzen zu kennen. Diese Mühelosigkeit führte dazu, dass er in Tschaikowskys virtuo­sem Dauerbrenner dichte Akkordketten, schnelle Läufe und
kräfti­ge Fortissimo-Gipfel fast schon lässig, aber dennoch immens präzi­se auslegen konnte. Die Reife und Versunkenheit, die sich im lang­ samen Satz angedeutet hatte, setzte er in der langsamen Chopin­ Mazurka a-Moll op. 17/4 fort, seiner Zugabe im ersten
Wiesbade­ner Meisterkonzert.

 

Sosehr Spiwakow in Tschaikowskys Klavierkonzert Druck und Dy­namik erhöhte, so originell nahm er dem Abschluss des ersten
Sat­zes die vordergründige Bravourspitze, indem er nämlich die Laut­stärke überraschend zurückzog, den zweiten Satz unmittelbar an­ schloss und, auf diese Weise Zusammenhang stiftend, den an die­ser Stelle sonst unvermeidlichen Zwischenapplaus unterband. Fül­le, Wärme und Wohllaut prägten die Tschaikowsky-Standards des Programmrahmens, den „Dornröschen" - Walzer eingangs wie auch die Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 mit ihren schön organisch genom­menen formalen Übergängen in der zweiten Programmhälfte. Ori­gineller wiederum die Zugaben, alle aus Ballettmusiken stammten, aus Alfred Schnittkes „Skizzen", aus Tschaikowskys „Schwanensee" sowie, in Gestalt eines georgischen Tanzes, aus Aram Chatschatur­jans „Gayaneh".

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

11.11.2018: Friedenskonzert in Verdun

Verdun. Mozarts und Saint Saens’ Requien beschließen in der Kathedrale von Verdun die 2018er-Ausgabe der Musikfestspiele Saar.

 

Abschließender Höhepunkt der Musikfestspiele Saar-Ausgabe 2018 war am Sonntag das Konzert zum 100. Jahrestag des Waffenstillstandes 1918, der Beendigung des Ersten Weltkrieges. Die Kathedrale „Notre Dame“ in Verdun war ein würdiger Ort, um mit diesem „Friedenskonzert“ auch der Toten zu gedenken. Geistliche und politische Prominenz gab sich die Ehre, bis auf den letzten Platz füllten Musikfreunde beider Länder das Kirchenschiff.

 

Die Beziehung Frankreich-Deutschland wurde auch durch die Programmwahl symbolisiert: Aus dem deutschen Sprachraum erklang Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“ KV 626 und aus Frankreich Camille Saint-Saëns‘ „Requiem“ op.54. Dafür wurde ein Musikfestspiel-Chor mit gut 200 Sängern zusammengestellt (rekrutiert aus Mitgliedern des Vokalensembles 83, des Dekanatchors Saarlouis, des Schüler- und Elternchors des Saarbrücker Gymnasiums am Schloss sowie von „SAarVoir Chanter“), die „Russische Nationalphilharmonie“ übernahm den Orchesterpart, ihr Chefdirigent Vladimir Spivakov hatte die Gesamtleitung. Der deutsch-französische Fernsehsender „arte“ übertrug das Konzert live – so war das Kirchenschiff, unterstützt von feinem Kunstnebel, in mystisches Scheinwerferlicht getaucht.

 

Auch wenn man heute Mozarts Requiem – historisch begründet – mit kleiner Besetzung aufführt, verlieh der große Chor und das sinfonisch besetzte Orchester besonders den dramatischen Teilen überzeugendes Gewicht und Ausdruckskraft. Spivakov koordinierte überlegen, mit ruhiger Hand. Selbst dann, wenn in den Chor-Fugen seine frischen Tempovorgaben, wohl wegen der räumlichen Distanz, etwas zögerlich aufgenommen wurden, er sie aber unbeirrt durchsetzte. Das Solistenquartett war mit dem schlanken Sopran von Sofia Fomina, dem runden Mezzo von Anke Voldung, dem etwas heldenhaft vibrierenden Tenor von Ian Storey und dem kernigen Bass von Wolfgang Schöne harmonisch besetzt. Deren Aufgaben wuchsen im Requiem von Saint-Saëns, der die Solostimmen weite Teile des Ordinariums in einer an der Gregorianik orientierten Weise vortragen lässt.

Der Komponist verknüpft seine individuelle Ausdrucksweise mit historisierenden Elementen aus der kirchenmusikalischen Restaurationsbewegung. Doch er verzichtet nicht auf Klangeffekte: das volle Orgelwerk (Bernhard Leonardy) etwa im „Tuba mirum“, Harfen-Weben im

„Benedictus“, die Farben zweier Englisch-Hörner, das dunkle Beben langer Orgelpunkte. Die überleitenden Orchesterteile wurden fein differenziert ausgespielt und bereiteten die homophonen Chorsätze stimmungsvoll vor bis hin zum meditativ verhauchenden „Amen“. Anders als bei Mozart verharrten die Zuhörer lange in andächtigem Schweigen, bevor großer Beifall das großartige Konzerterlebnis würdigte.

 Von Helmut Fackler

01.11.2018: Russische Nationalphilharmonie unter Vladimir Spivakov in der Kölner Philharmonie

Von  Volker Fries

 

Ein Fest orchestraler Klangkultur bereitete die Russische Nationalphilharmonie unter Leitung ihres Chefs Vla­dimir Spivakov in der ausver­kauften Philharmonie. Russi­sche Seele vom Feinsten offen­barte sich zunächst in Rach­maninows Klavierkonzert Nr. 2 (c-Moll op. 18). Der noch junge Solist Nikolai Tokarew (Jg. 1983) ist seit seiner Interpretation von Rachmaninows schwergewich­tigem dritten Klavierkonzert noch in lebhafter Erinnerung. Das Zweite ist lyrischer, enthält aber auch anspruchsvoll-virtu­ose Partien - bei dem wurde To­karew souverän gerecht. Gleich zu Beginn behauptete er sich standhaft gegen die Phalanx der tiefen Streicher

(acht Kontra­bässe und zehn Celli!), die ei­nen sonoren Sound ausbreite­ten. Der Pianist besitzt neben elektrisierender Fingerfertig­keit auch die Fähigkeit zu ge­sanglicher Melodiebildung im Diskant, was sich oft wunder­bar bewährte. Nicht alles gelang indes. Für den starken Bei­ fall bedankte er sich delikat mit einem Satz aus Tschaikowskys ,,Jahreszeiten".

 

Nach der Pause dann ein wei­teres Paradepferd russischer Musikliteratur, Tschaikowskys Fünfte (e-Moll op. 64). Spiva­kov und sein Orchester entfal­teten das vielgespielte Werk so frisch und lebendig, dass es dem Hörer fast wie neu vorkam. Der Dirigent nutzt seine Gestal­tungskraft, die ihn als Weltklasse -Geiger auszeichnet, auch für seine Rolle als Orchesterleiter. Jedes Accelerando, jedes Ritardando wurden vom Or­chester organisch umgesetzt. Die Plastizität der Holzbläser, der geschliffene Glanz des Blechs und die geschmeidige Wucht der Streicher verblüff­ten geradezu. Zugabefreudig waren sie auch noch, diese fa­belhaften Russen.

Für „Stan­ ding ovations" gab es ein fet­ziges Schostakowitsch - Inter­mezzo (aus „Katharina Ismai­lowa"), ,,Valse triste " von Si­belius und Khatchaturians tol­len „Masquerade" -Walzer.

Kölner Rundschau, 03.11.2018

28.10.2018: Die Russische Nationalphilharmonie unter Vladimir Spivakov im Mannheimer Rosengarten

Im Rausch der Walzerklänge

 

Von Karl Georg Berg

 

Ganz russisch geprägt, im Programm und in Art der Wiedergaben, war der Abend mit der Russischen Nationalphilharmonie unter Vladimir Spivakov beim Pro-Arte-Konzert im voll besetzten Mannheimer Rosengarten. Aufsehen erregte der 16-jährige Pianist Ivan Bessonov mit seinem Vortrag des b-moll-Klavierkonzerts von Peter Tschaikowsky.

Im Deutschland des 21. Jahrhundert verschwinden Orchester oder werden miteinander fusioniert, in Russland werden neue gegründet, wie die 2003 ins Leben gerufene Russische Nationalphilharmonie, der von Beginn an Vladimir Spivakov vorsteht. Der international anerkannte Geiger und Dirigent ist in seiner Heimat ein fast so wirkungsmächtiger Künstler wie Mariinsky-Chef Valeri Gergiev.

Das betrifft auch seinen Einsatz für den musikalischen Nachwuchs. In der alten UdSSR war Spivakov ein Förderer schon des ganz jungen Jewgeni Kissin, einem der großen Klaviergenies unserer Zeit. In Mannheim stellte er nun den erst 16 Jahre alten Ivan Bessonov als Solisten im b-moll-Konzert von Tschaikowsky vor. Der junge Virtuose hat, natürlich – möchte man im Hinblick auf die russische Pianistentradition sagen – keine technischen Probleme. Was aber bei seinem Spiel viel mehr beeindruckte, war die gestalterische Klarheit und Konsequenz des Vortrags. Und es war der ausgeprägte Klangsinn des aufstrebenden Musikers, der seinem Part nicht zuletzt dadurch eine sehr differenzierte Form gab. Aber auch an Spannung und expressivem Zugriff fehlte es dem Pianisten nicht. Für den großen Beifall des Publikums dankte Ivan Bessonov mit Chopins leidenschaftlich musizierter Revolutions-Etüde.

Tschaikowsky war auch der Komponist der anderen Werke des offiziellen Programms. Der Walzer aus „Dornröschen“ eröffnete den Abend und belegte schon den satten und kompakten Klang des in allen Registern exquisit besetzten Orchesters. In von russischen Orchestern und Dirigenten durchaus bekannter Manier legte Spivakov mit seiner Nationalphilharmonie viel Wert auf plastische Konturen bei der Entfaltung des musikalischen Satzes und auf eine stringente Entwicklung der Form.

Das gab nach der Pause Tschaikowkys fünfter Sinfonie in e-moll eine packende Gestalt und viel Intensität. Besonders der zweite Satz erschien wie ein grandioses Klangmonument, bei dem jede Geste souverän modelliert war. Denn natürlich ist Spivakov jedem Ton der Partitur aufs Engste vertraut. Er war deshalb auch bei dieser Musik ein absolut überlegener Interpret der Werke seines Landmanns.

Drei Tänze waren die fulminanten Zugaben des Orchesters und seines Dirigenten: der Ungarische und Neapolitanische Tanz aus Tschaikowskys „Schwanensee“ und – als „Kracher“ des Abends – der Walzer aus Aram Khachaturians „Maskerade“, bei dem die Russische Nationalphilharmonie ihren prachtvollen, berauschenden Klang noch einmal voll ausspielte.

Die Rheinpfalz, 30.10.2018

23.08.2018: Ivan Bessonov gewinnt „Eurovision Young Musicians 2018“


After a dazzling Final bursting with young talent, pianist Ivan Bessonov from Russia was announced winner of Eurovision Young Musicians 2018. He performed Tchaikovsky's Piano Concerto No 1, 3rd movement.


SR Fernsehen: Konzert zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs mit der Russischen Nationalphilharmonie unter der Leitung von Vladimir Spivakov.

SR Fernsehen

16.05.2018: Nikolai Tokarev in Kempten

..."Danach dann der „Hammer“ des Abends, das Klavierkonzert Nr. 3 op.30 in d-moll von Sergej Rachmaninow. Ein Komponist, der bereits zu Lebzeiten sein Publikum in glühende Fans und ablehnende Verächter polarisierte, mit einem seiner typischsten und bekanntesten Werke. Ein Paradebeispiel spätromantischen Virtuosentums, das das komplette Ausdrucksspektrum seines Erschaffers zwischen „Dahindämmern in dunkler Melancholie und wild lärmendem Pathos“ ausbreitet. Wer dieses Stück auf dem Klavier spielen kann, der kann alles spielen. Der 35-jährige russische Solist des Abends, Nikolai Tokarev, konnte es. Vom leisen Beginn des vom Klavier einstimmig vorgetragenem schlichten Themas weg bis zum letzten Tutti-Akkord zusammen mit dem Orchester bot er eine Glanzleistung pianistischen Könnens.

Neben seinen technischen Fähigkeiten – beispielsweise gibt es rasende, beidhändige Oktavläufe und eine vertrackte Solokadenz im ersten Satz – beeindruckte seine musikalische Fähigkeit trotz der technischen Schwierigkeiten immer in Kontakt mit dem Orchester zu bleiben und mit ihm zu spielen."...

 

Jürgen Kus / Kreisbote

23.04.2018: Außergewöhnlich jung und außergewöhnlich gut: „Wunderkind“ Ivan Bessonov in Olpe

"...Es fehlten einem schlicht die Worte beim Debut von Ivan Bessonov in der Olper Reihe „Piano solo“ am Freitagabend. Hier und da   gibt es sie noch: Wunderkinder, die mit einem besonderen Talent begnadet sind…grandiose Technik, differenziertes Spiel in der Ausgestaltung der Melodiebögen, gepaart mit jugendlichem Esprit…erstaunlich reifes Spiel, romantisch-zarte und sensible Anschlagkultur..."

 

Siegener Zeitung

21.02.2018: Nikolai Tokarev und Sergei Nakariakov in der Elbphilharmonie Hamburg

Die Solokonzerte mit dem russischen Pianisten Nikolai Tokarew und seinem Landsmann, dem Trompeter und Flügelhornvirtuosen Sergei Nakariakov, hätte die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg in der Elbphilharmonie am Mittwoch scheinbar auch ohne den Dirigenten Juri Gilbo interpretieren können. Bei diesem Ensemble sitzt alles auf Anhieb. Nicht eine Unaufmerksamkeit der Musiker, eine ausgefeilte Präzision und ein gutes Klangempfinden zeigte das Orchester bei Händels „Die Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Solomon“ HWV 67. Ungewohnt klang Joseph Haydns Cellokonzert C-Dur danach, nicht etwa ein Cello spielte die Solostimme, sondern ein Flügelhorn. Sergei Nakariakov ist ein Meister der Adaption und seine Transkription wurde dem Stück gerecht, auch wenn das Flügelhorn viel weicher ist als ein Cello. Bravourös meisterte Nakariakov, der fast wie in Stein gegossen dastand und zurückhaltend mit dem Orchester kommunizierte, die lange Kantilene und die geschmeidigen Legati im langsamen Satz. Nikolai Tokarew, der dann Mozarts „Jeunehomme“-Klavierkonzert KV 271 beeindruckend interpretierte, ist Nakariakov in der bescheidenen, aber extrem sicheren Art seines Auftretens wesensverwandt. Für Mozart wählte Tokarew einen leichten, brillant-feinen Anschlag. Die Härten sparte er sich lieber für Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester c-Moll op. 35 auf, in dessen Finale der Übermut des jungen Schostakowitsch mit aberwitzigen Läufen und Sprüngen keine Grenzen kennt.

 Hier nun war der regulierende Maestro Gilbo wie auch bei der Haydn-Sinfonie „La passione“ dann doch willkommen. Dennoch hätte die Russische Kammerphilharmonie die Brüche bei Schostakowitsch besser herausarbeiten können. Im 2. Satz faszinierte Nakariakov mit gestopfter Trompete, die fast so zart wie ein Englischhorn klang.

 

WELT Digital Zeitung

13.02.2018: Sergei Dogadin gewinnt Singapore International Violin Competition

Der Violinist Sergei Dogadin, Student aus der Klasse für COP Violine bei Boris Kuschnir, hat die International Violin Competition in Singapur gewonnen. Für den Ersten Platz im Wettbewerb erhält er neben einem Preisgeld von 50.000 Dollar, eine wertvolle Geige als Leihgabe, den Sonderpreis für die beste Paganini-Caprice und außerdem gemeinsam mit dem MUK-Lehrenden Evgeny Sinayskiy den Sonderpreis für ein Violine-Klavier-Recital.

15.12.2017: Nikolai Tokarev mit Mussorgsky im Prinzregententheater

Bei den flirrenden Klingelspielen der "Schneeglöckchen" kam eine Ahnung von der Poesie auf, die das Klavieralbum von Tschaikowskys "Jahreszeiten" durchzieht. Aber da war es ja noch "April". Erst im "Juni" mit dem Andante cantabile der "Barkarole" und am schönsten im "Herbstlied" des Oktobers ließ sich Nikolai Tokarev im Prinzregententheater auf die Nuancen von Tschaikowskys Klangpsychogrammen ein, die so oft an Schumann erinnerten.

 

Tokarevs eigentliches Konzert aber kam danach. Obwohl es wieder um ein klangmalerisches Bilderprogramm ging, entfesselte er in Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" die gewohnten Potenziale seines Klaviervirtuosentums: eine dramatische Gegenromantik von russischem Kaliber. Schon die "Promenaden" lud er mit jenem leidenschaftlichen Pathos auf, das sich nur in der originalen Klavierfassung so überwältigend freisetzen lässt, während in den bekannten Orchesterfassungen die Farbspektren dominieren. Die aber sollten jetzt nicht fehlen. Deshalb kam man auf die Idee, sie in einer Art Light-and-Sound-Performance visuell zu ergänzen. Modell dafür war die Bühneninszenierung von Wassily Kandinsky, die er 1928 in Dessau zu Mussorgskys Klangbilderreigen aufgeführt hatte. Computeranimiert malten jetzt die abstrakten Farb- und Figurenmuster Kandinskys dessen optische Expressionen zur Musik auf die Leinwand: samt glühenden Sonnenimagos, dem Grundriss von "Limoges" in Mussorgskys "Markplatz", und reichlich Kandinsky-Porträts. So entstand eine interessante Choreografie synästhetischer Reize, die mal entzückte, mal ablenkte.

 

Zu Tokarevs "eigentlichem" Konzert gehörten aber auch vier Zugaben, mit denen er sein fulminantes Klaviertitanentum zur Begeisterung aller mit Leidenschaft fortsetzte, am Schluss mit einem selbstkomponierten Quodlibet von Beethovens "An Elise" bis zu Bach. Jubel, Trubel, Heiterkeit.

 

Süddeutsche Zeitung / Klaus P. Richter



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